Wer im Westerwald an der A3 abfährt und Richtung Hahn am See rollt, landet in einer Region mit viel Schwerlastverkehr. Dort prägen Logistiker, Bauunternehmer und regionale Spediteure die Wirtschaftsstruktur. Mittendrin steht der Familienbetrieb der Michels Kfz-Werkstätte GmbH: ein freier Nutzfahrzeug-Service, der seit 2016 zum Alltrucks-Netzwerk gehört.
Dieses Portrait zeigt, wie ein freier Mehrmarken-Werkstattbetrieb heute aussehen kann, wenn Familienführung, Energiekonzept und Servicekultur zusammenpassen. Wer parallel an der eigenen Aufstellung arbeitet, findet zudem in unseren Beiträgen zur wirtschaftlichen Lkw-Werkstatt trotz Fachkräftemangel und zu Durchlaufzeiten in der Praxis ergänzende Bausteine.
Der Kern des Erfolgsmodells ist einfach: Ein freier Werkstattbetrieb bleibt eigenständig. Zugleich liefert ihm das Alltrucks-Netzwerk technischen Support und Mehrmarken-Kompetenz für alle gängigen Hersteller. Dieser partnerschaftliche Rahmen ersetzt die Eigenverantwortung nicht, sondern stützt sie. Genau diese Kombination begründete 2016 den Eintritt. Und genau deshalb bringt sich der Familienbetrieb heute aktiv im Partnerbeirat ein.
Familienbetrieb mit 24-köpfigem Team
Geführt wird das Unternehmen von Geschäftsführer Andreas Gläser. In der Prokura ist zudem Tochter Janine Alflen aktiv. Das 24-köpfige Team deckt die volle Bandbreite ab: Werkstatt-Mechanik, Elektrik und Elektronik, Karosserie- und Aufbauten-Service sowie Annahme und kaufmännische Abwicklung. Dabei arbeitet die Werkstatt markenoffen. Das heißt: Vom regionalen Verteiler über das Bau- und Kommunalfahrzeug bis zur schweren Sattelzugmaschine kommen Nutzfahrzeuge unterschiedlichster Hersteller in die Halle.
Was den Betrieb auszeichnet, ist weniger eine einzelne Spezialität, sondern eine Haltung. Andreas Gläser fasst sie in einem Satz: „Ich versuche mit unserem Team stets an Verbesserungen zu arbeiten.“ Dafür bindet er die Mitarbeitenden aktiv ein, denn jeder hat Raum, sich mit eigenen Stärken einzubringen. Erst wenn das Team gut ausgebildet sei, gehe das Konzept auf. Genau das sei somit die Voraussetzung dafür, dass Kunden zu hundert Prozent zufrieden seien.

Der Neubau in Hahn am See — energetisch und betrieblich
Im April 2019 hat der Familienbetrieb seine neue Werkstatthalle bezogen. Was beim Rundgang sofort auffällt: ein integriertes Energiekonzept, in dem Halle, Boden, Dach und Klimatechnik zusammenwirken. Konkret arbeitet der Neubau mit:
- Geothermie als Grundlast für die Wärme- und Kälteversorgung,
- Wärmepumpe, die das Geothermie-Niveau auf Vorlauf-Temperatur bringt,
- Photovoltaik-Anlage auf der Dachfläche der Werkstatthalle,
- Fußbodenheizung in den Reparaturplätzen statt klassischer Hallenstrahler.
Dieser Ansatz ist nicht nur ökologisch konsequent, sondern macht auch ökonomisch Sinn. Eine flächige Fußbodenheizung im Werkstattboden hält die Halle bei deutlich niedrigerer Vorlauf-Temperatur arbeitswarm. Dadurch läuft die Wärmepumpe in einem Effizienzfenster, in dem sie ihre beste Jahresarbeitszahl erreicht. Zudem liefert die PV-Anlage tagsüber den Strom, den eine Lkw-Werkstatt für Druckluft, Hebebühnen und Diagnose-Equipment ohnehin braucht. Für dieses Konzept hat die Familie Michels den Nachhaltigkeitspreis des Landes Rheinland-Pfalz erhalten.
„Wir profitieren von einer schlanken Kostenstruktur und können gleichzeitig auf ein starkes Netzwerk zugreifen — ohne durch übermäßige CI-Vorgaben oder Zertifizierungen eingeschränkt zu werden. Unsere Preisgestaltung bleibt flexibel, und wir definieren unsere Schwerpunkte ganz individuell — genau so, wie es für unsere Kunden am sinnvollsten ist."— Janine Alflen, Prokuristin
14 Lkw-Reparaturplätze und Mehrmarken-Kompetenz
Die 14 Reparaturplätze sind so geschnitten, dass auch Sattelzugmaschinen mit aufgesatteltem Auflieger in voller Länge in die Halle passen. Das ist eine bauliche Selbstverständlichkeit, die viele kleinere Werkstätten in der Realität jedoch nicht auflösen. Im Alltag macht sie den Unterschied zwischen „Termin bekommen“ und „Termin in zwei Wochen“. Wer als Disponent eines Logistik-Kunden anruft, hört bei Michels in der Regel: Wir bekommen das Fahrzeug heute oder morgen unter — bei einer Standzeit, die in die Tourenplanung passt.
Auf der technischen Seite zahlt die Mehrmarken-Aufstellung doppelt ein. Dabei unterstützt der Alltrucks Technik Support genau dann, wenn ein Fahrzeug aus dem Standardrepertoire der Werkstatt fällt: bei seltenen Steuergeräte-Fehlern, ungewöhnlichen Aufbau-Konstellationen und herstellerübergreifenden Diagnose-Fragen.

Warum Alltrucks-Netzwerk: Freiheit mit Rückhalt
Drei Punkte waren 2016 für den Beitritt zum Alltrucks-Netzwerk ausschlaggebend. Genau diese Gründe hebt der Familienbetrieb bis heute hervor:
Technischer Support für Mehrmarken-Service
Eine freie Werkstatt kann nicht für jeden Hersteller eigene Diagnose-Tiefen vorhalten. Daher liefert das Alltrucks Technik Team genau diesen herstellerübergreifenden technischen Support. Damit nimmt es der Werkstatt das Risiko ab, an einem Sondermodell zu scheitern.
Mehrmarken-Kompetenz für alle gängigen Hersteller
Im Netzwerk sind zudem alle gängigen Hersteller technisch abgedeckt. Für den Familienbetrieb heißt das: klare Qualitätsstandards und trotzdem die Bandbreite, die im freien NFZ-Service heute gefragt ist.
Schlankes, partnerschaftliches Konzept
Keine übermäßigen CI-Vorgaben, keine erzwungenen Zertifizierungen, keine Preisbindung. Somit bleibt die unternehmerische Freiheit beim Familienbetrieb — Preise, Schwerpunkte und Investitionen. Das war 2016 der entscheidende Punkt, und das ist es bis heute.
Seit Januar 2022 engagiert sich Janine Alflen zudem im Alltrucks-Partnerbeirat. Damit ist die Stimme aus Hahn am See nicht nur Empfängerin des Netzwerks, sondern auch Mitgestalterin: zum Beispiel bei Themen wie Digitalisierung, Pilotprojekten und der Weiterentwicklung des Partnerkonzepts.
Service-Spektrum für Flotten und Fahrer
Der Service-Anspruch endet bei Familie Gläser nicht an der Werkstatttür. Wer schon einmal mit einem schweren Lkw über Nacht festgestanden hat, kennt das Problem. Manchmal fällt ein Defekt erst nach Werkstattschluss auf, manchmal trifft das Ersatzteil erst am nächsten Tag ein. Dann stellt sich die Frage: Wo schläft die Fahrerin, der Fahrer? Wo gibt es eine Toilette, eine Dusche?
Auf dem Firmengelände gibt es deshalb bewachte Lkw-Stellplätze mit eigener Toilette und Duschmöglichkeit. Das ist genau die Sorte Detail, die im Tagesgeschäft den Unterschied macht. Für die Disposition des Logistik-Kunden bedeutet es zudem Planungssicherheit: Das Fahrzeug steht bewacht, der Fahrer hat eine geregelte Pause, die Lenk- und Ruhezeiten sind eingehalten. Kombiniert mit einer Werkstatt, die markenoffen arbeitet und 14 Reparaturplätze parallel bedient, entsteht somit ein Servicepaket, das in der Region Westerwald/Mittelrhein seinesgleichen sucht.
Fahrer-Service und Werkstattbetrieb zusammenzudenken zahlt zweifach ein. Dadurch bekommt die Disposition des Kunden Planungssicherheit, der Fahrer einen geregelten Aufenthalt und die Werkstatt einen Standortvorteil, der sich nicht über den Stundensatz allein rechnen lässt. Bewachung, Sanitär, Strompunkt: Diese drei Bausteine sollte daher jeder NFZ-Standort prüfen.
Auszeichnung: Nachhaltigkeitspreis Rheinland-Pfalz
Der Nachhaltigkeitspreis des Landes Rheinland-Pfalz würdigt Unternehmen, die ökologisches Handeln, regionale Wertschöpfung und betriebliche Innovation zusammenführen. Für den Familienbetrieb in Hahn am See war die Auszeichnung weniger Selbstzweck als Bestätigung einer langfristig angelegten Investitionsentscheidung. Geothermie, Wärmepumpe und PV-Anlage rechnen sich zwar nicht in zwei Jahren. Über die Lebensdauer des Neubaus betrachtet zahlen sie jedoch auf drei Konten ein: Energiekosten, CO2-Bilanz und Attraktivität als Arbeitgeber.
Gerade der dritte Punkt ist im Nutzfahrzeug-Service strategisch unterschätzt. Wer in der Region junge Menschen für eine Ausbildung als Mechatroniker:in für Nutzfahrzeugtechnik gewinnen will, konkurriert nämlich mit Industrie, Handwerk und Logistik um dieselbe Zielgruppe. Eine Werkstatthalle mit Fußbodenheizung, Tageslicht und transparentem Energiekonzept ist deshalb ein Argument, das in einem Bewerbungsgespräch wirkt.
Was Werkstätten von Michels lernen können
Übertragbar in die eigene Werkstatt
- Mehrmarken-Service als Geschäftsmodell. Eine strukturierte Mehrmarken-Aufstellung aller gängigen Hersteller mit zentralem technischem Support. Wer das aufgibt, gibt Volumen ab.
- Energetik gehört in die Investitionsplanung. Ein Neubau ohne Geothermie-Option, PV-Reserve oder Fußbodenheizung verbaut sich Optionen, die später teuer nachgerüstet werden müssen.
- Servicekultur über die Werkstatttür hinaus. Bewachte Lkw-Stellplätze, Sanitärbereich für Fahrer, Mehrwert für die Disposition: Damit positioniert sich der Standort gegen anonyme Service-Punkte entlang der Autobahn.
- Familienführung als Strukturmerkmal nutzen. Geschäftsführung und Prokura in der Familie — eingebettet in ein Netzwerk mit Beirat — verbindet Eigenständigkeit mit kollektiver Kompetenz.
Wer die nächsten Investitionen plant, sollte sich daher mindestens diese drei Fragen stellen: Welche Marken kann ich heute technisch sauber bedienen — und welche nicht? Welche Energieoption habe ich in den nächsten zehn Jahren — oder verbaue ich sie mir? Was unterscheidet meinen Standort tatsächlich von dem 50 Kilometer weiter?
„Erst wenn unser Team optimal ausgebildet ist, geht unser Konzept auf — und unsere Kunden können zu 100 % zufrieden sein."— Andreas Gläser, Geschäftsführer