Durchlaufzeiten sind die Lebensader jeder Nutzfahrzeug-Werkstatt. Jede Stunde, die ein Fahrzeug unnötig in der Halle steht, kostet den Flottenbesitzer Geld – und Sie im Zweifel einen zufriedenen Kunden. Denn in einer Branche, in der die Reaktionsgeschwindigkeit über Kundenloyalität entscheidet, ist systematische Prozessoptimierung Grundvoraussetzung. Branchenstatistiken nationaler Gewerbeverbände bestätigen diesen Trend für die Nutzfahrzeug-Branche zudem durchgängig. Die einschlägige DIN EN 13306 (europäische Instandhaltungs-Terminologie) liefert dabei die methodische Klammer für jede strukturierte Prozessoptimierung in der Werkstatt.

Die Durchlaufzeit ist die Zeitspanne zwischen der Fahrzeugannahme und der Auslieferung nach abgeschlossener Reparatur oder Wartung. Sie umfasst alle produktiven und unproduktiven Phasen eines Auftrags. Daher gilt sie in NFZ-Werkstätten als wichtigste Steuerungsgröße für Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit.

Warum sind Durchlaufzeiten in der NFZ-Werkstatt so kritisch?

Ein relevanter Teil der Durchlaufzeiten in der Lkw-Werkstatt geht auf unproduktive Wartezeiten zurück — fehlende Teile, ungeplante Diagnosen, nicht vorbereitete Aufträge. Viele dieser Verluste lassen sich jedoch mit strukturierten Prozessen adressieren, und zwar ohne zusätzliche Investitionen in Personal oder Ausrüstung. Jede gewonnene produktive Stunde wirkt sich zudem direkt auf den kalkulierten Stundensatz und damit auf die Marge aus. Für die parallele Arbeitssicherheit liefert dagegen die EU-Richtlinie 2009/104 (Mindestvorschriften für die Benutzung von Arbeitsmitteln, in nationale Vorschriften überführt) den verbindlichen Rahmen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet außerdem im Beitrag zu gezielte Mitarbeiterbindung weiterführende Hinweise.

Die Konsequenzen langer Durchlaufzeiten gehen über den einzelnen Auftrag hinaus. Denn Fuhrparkmanager, die regelmäßig lange Standzeiten erleben, prüfen den Wechsel des Servicepartners. „Zu lange Standzeit“ gilt branchenweit als einer der häufig genannten Wechselgründe.

„Ein Auftrag wird erst gestartet, wenn Fahrzeug, Teile und Technik gleichzeitig bereit sind. So lautet das Prinzip strukturierter Auftragsvorbereitung."
— Leitgedanke aus dem Alltrucks-Partnernetzwerk

Welche 5 Stellschrauben verkürzen Durchlaufzeiten am stärksten?

Typische NFZ-Werkstatt-KPIs: weniger strukturierte vs. strukturiert aufgesetzte Prozesse
KPIOhne strukturierte ProzesseMit strukturierter Auftragsvorbereitung
Durchlaufzeit pro Standardauftragschwankendplanbarer
Hebebühnen-Auslastunguneinheitlichplanbarer
Teileverfügbarkeit bei Einfahrtuneinheitlichsystematisch geklärt
Überziehungsquote pro Monathäufigseltener
Reklamationsquotestreuendstabiler
Produktive Zeit je Mechanikervariierendbesser planbar
Mechaniker überprüfen Reifen und notieren Daten an einem Lkw auf einer Hebebühne in einer Werkstatt.
Dokumentation der Inspektionspunkte in Arbeit.

Fünf Maßnahmen haben sich als Treiber für strukturierte Durchlaufzeiten in der Lkw-Werkstatt etabliert. Sie greifen dabei ineinander — von der Annahme über die Auftragsstrukturierung bis zur Freigabe — und bilden gemeinsam den roten Faden eines verlässlich planbaren Werkstatttages:

01

Vordiagnose am Annahmetag

Ein Schnellcheck direkt bei der Fahrzeugannahme legt die Grundlage für einen verlässlich planbaren Auftrag. Typisch sind dabei 20–30 Minuten je Fahrzeug. Im Alltrucks-Partnernetzwerk übernimmt diesen Schritt die Alltrucks Mehrmarkendiagnose auf Basis des KTS Truck V3 mit Knorr-Bremse Integration. Bei ungeklärten Fehlerbildern unterstützen zudem die Alltrucks Technik Hotline und das Technik Forum unter forum-alltrucks.com die Klärung.

02

Teile-Vorabbestellung

Die Ersatzteil-Verfügbarkeit gehört vor die Werkstatt-Einfahrt, nicht danach. Als Werkzeug für die strukturierte Teile-Recherche anhand der VIN dient Alltrucks-Partnern daher der Alltrucks VINcat Ersatzteilkatalog. Für die Trailer-Konfiguration steht zudem das Knorr-Bremse-OCT (Online Communication Tool) zur Verfügung.

03

Vollständige Auftragsvorbereitung

Alle Unterlagen, Arbeitsanweisungen und Spezialwerkzeug gehören bereitgestellt, bevor das Fahrzeug in die Box fährt. Eine fest definierte Annahme-Routine liefert dabei den roten Faden — von der Checkliste über die Auftragsstrukturierung bis zur Freigabe. Im Alltrucks-Partnernetzwerk werden diese Routinen zudem gemeinsam mit Ihrem Alltrucks Systemberater Ihren Betrieb zugeschnitten.

04

Realistische Kapazitätsplanung

Auslastung realistisch zu planen heißt, Puffer für Mehrarbeit einzukalkulieren. Branchenpraktisch bewährt hat sich dabei ein Zielkorridor um 85–90 % statt 100 %. Planungen oberhalb von 95 % führen dagegen im Alltag häufig zu Überziehungen und zu Qualitätsproblemen in der Spätschicht.

05

Digitale Auftragssteuerung

Ein DMS mit Echtzeit-Auftragsstatus ist heute Voraussetzung für strukturierte Durchlaufzeiten, transparente Kommunikation mit Flottenkunden, sichtbare Eskalation bei Verzögerungen und datenbasierte Verbesserung über die Zeit. Aus den Servicepartnerschaften des Alltrucks-Netzwerks stehen hier deshalb Werbas (DMS, Servicepartnerschaft) und PleaseFix (für die Werkstatt-Flotten-Connection, Servicepartnerschaft) zur Verfügung. Zudem ergänzt der Alltrucks VINcat als Ersatzteilkatalog die Teile-Recherche über die VIN.

Wie funktioniert die 2-Stunden-Regel in der Praxis?

Definieren Sie ein internes SLA: Jeder Auftrag, der mehr als 2 Stunden über der geplanten Zeit liegt, wird automatisch eskaliert. Die Regel lässt sich zudem ohne neue Software oder Prozessschulungen einführen. Ihre Wirkung hängt allerdings von der konsequenten Umsetzung im Team ab.

Die Eskalation kann dabei einfach sein: Sie informieren den Vorgesetzten, kontaktieren den Flottenkunden proaktiv und aktivieren einen Alternativplan. Der entscheidende Schritt ist somit, diesen Prozess zu formalisieren und konsequent zu leben.

Praxis-Tipp

Hängen Sie die SLA-Zeiten für jeden aktiven Auftrag sichtbar in der Werkstatt auf – etwa auf einem digitalen Board. Denn visuelle Transparenz erzeugt natürliche Dringlichkeit und bindet das gesamte Team ein.

„Die 2-Stunden-Regel ist eine der Prozessverbesserungen mit geringem Aufwand in der Einführung. Ihre Wirkung hängt von der Konsequenz der Umsetzung ab."
— Redaktioneller Leitgedanke

Wie unterstützt das Alltrucks-Netzwerk bei der Prozessoptimierung?

Mechaniker schraubt an einer Bremstrommel in der hellen Werkhalle, während drei Lkw auf Hebebühnen wartend
Mechaniker bei der Montage von Bremsenteilen: präzise Arbeit für optimale Sicherheit.

Den fachlichen Rahmen bildet der Alltrucks Technik Support mit seinen sechs Bausteinen — Technik Hotline, Help Desk, Tipps und Tricks, Vor-Ort-Support, Remote Support und Technik Forum (live unter forum-alltrucks.com). Auf diesem Fundament setzt zudem die Alltrucks Mehrmarkendiagnose auf Basis KTS Truck V3 für alle gängigen NFZ-Hersteller auf — als gemeinsame Lösung der Gründer Bosch und Knorr-Bremse, ohne Systembrüche. Wer tiefer einsteigen möchte, findet außerdem im Beitrag zu den Stundensatz neu kalkulieren weiterführende Hinweise.

Für den Austausch unter Werkstätten ist dagegen das Technik Forum (forum-alltrucks.com) der zentrale Kanal im Alltrucks-Partnernetzwerk — nach dem Prinzip „Partner hilft Partner“. Wie ein strukturierter Prozess-Zuschnitt konkret ablaufen kann, zeigt schließlich unser Praxisbericht aus dem Alltrucks-Netzwerk.

Einstiegspunkt

Welche Prozessbausteine im eigenen Betrieb priorisiert werden, schauen wir uns gerne gemeinsam an. Sprechen Sie daher Ihren Alltrucks Systemberater darauf an. Alltrucks denkt zudem in Prozessen, nicht in Produkten.

Vertiefung im Leitfaden

Dieser Beitrag ist Teil unseres Cornerstone-Leitfadens Werkstattsteuerung. Dort finden Sie alle vertiefenden Artikel zum Themencluster, ein interaktives Self-Assessment und das vollständige Praxis-Framework.

Zum kompletten Leitfaden lesen

Prozess-Bausteine im Alltrucks-Netzwerk: Für strukturierte Durchlaufzeiten bündelt das Alltrucks-Netzwerk mehrere Bausteine. Dazu zählen die Alltrucks Mehrmarkendiagnose für die Vordiagnose und der Alltrucks VINcat (Ersatzteilkatalog zur Recherche über die VIN) für die Teile-Vorabbestellung. Hinzu kommen aus den Servicepartnerschaften Werbas (DMS, Servicepartnerschaft) und PleaseFix (für die Werkstatt-Flotten-Connection, Servicepartnerschaft) für die digitale Auftragssteuerung. Den fachlichen Rückhalt liefert zudem der Alltrucks Technik Support mit Technik Hotline, Help Desk, Tipps und Tricks, Vor-Ort-Support, Remote Support und Technik Forum (forum-alltrucks.com). Welche Bausteine in welcher Reihenfolge im Betrieb greifen, schauen wir uns gerne gemeinsam an — sprechen Sie uns an. Für die Arbeitsmittel-Sicherheit bleibt dagegen parallel die EU-Richtlinie 2009/104 (in nationale Vorschriften überführt) die verbindliche Grundlage jeder Hebebühnen-Prüfung.