Das Bosch Denoxtronic-Filterprogramm war bisher auf die eigenen Bosch-Einspritzsysteme zugeschnitten. Mit zwei neuen Sachnummern erweitert Bosch das Portfolio nun um Urea-Filter für Cummins Hilite-Systeme. Das sind AdBlue-Dosiermodule eines Fremdanbieters, die unter anderem im Mercedes-Benz Actros sowie in Lkw von DAF und Scania verbaut sind. Für freie Werkstätten und den Nutzfahrzeug-Großhandel ist das vor allem eine logistische Vereinfachung. Bisher mussten sie für unterschiedliche Fahrzeugflotten parallel auf verschiedene Lieferanten ausweichen. Stattdessen lässt sich die SCR-Wartung jetzt auch für diese externen Systeme über die gewohnten Bosch-Bezugsquellen abwickeln.
Hintergrund: Bosch ist als Mitgründer von Alltrucks (gemeinsam mit Knorr-Bremse) eng mit dem Werkstatt-Netzwerk verzahnt. Programmerweiterungen im Bosch Aftermarket schlagen daher vergleichsweise schnell auf den Werkstattalltag der Partnerbetriebe durch. Wer parallel an der Lkw-Diagnose oder am Zugriff auf OEM-Systeme arbeitet, kennt zudem die Logik: weniger Schnittstellen, mehr Reichweite pro Tool und pro Sortiment.
Kernpunkt für die Werkstatt: Die zwei neuen Sachnummern F 026 405 001 (cellulosebasiertes Filtermedium, ältere Generation) und F 026 405 002 (synthetisches Filtermedium, aktuellere Generation) decken zwei Generationen des Cummins-Hilite-Dosiermoduls ab. Welche Sachnummer passt, entscheidet sich allerdings nicht über die Lkw-Marke, sondern über VIN und konkrete Hilite-Generation. Das gilt auch beim Actros, denn dort sind je nach Baujahr beide Generationen im Markt.
Was sind Cummins Hilite-Systeme?
Cummins ist als Komponentenhersteller im Nutzfahrzeug-Bereich ein gesetzter Name. Bekannt ist die Marke vor allem für Verbrennungsmotoren, aber eben auch für Module der Abgasnachbehandlung. Die Hilite-Systeme sind in diesem Portfolio die Dosier-Lösung für AdBlue. Dabei übernehmen sie in der SCR-Strecke die Aufgabe, die wässrige Harnstoff-Lösung („Urea“, fachsprachlich für AdBlue) fein dosiert in den heißen Abgasstrom einzubringen. Dieser wandelt die Stickoxide gemäß Abgasnorm in Stickstoff und Wasser um.
Verbaut sind diese Hilite-Module nicht nur in Cummins-eigenen Anwendungen, sondern auch in Lkw mehrerer Hersteller, die statt einer Bosch Denoxtronic auf das Cummins-System setzen. Im Schwerlast-Segment ist das vor allem in drei Marken sichtbar:
- Mercedes-Benz Actros — beide Cummins-Hilite-Generationen im Markt; ältere mit cellulosebasiertem, aktuellere mit synthetischem Filtermedium
- DAF — aktuellere Cummins-Hilite-Generation mit synthetischem Filtermedium
- Scania — aktuellere Cummins-Hilite-Generation mit synthetischem Filtermedium
Was das für die Annahme bedeutet: Die Marke allein reicht nicht zur Sachnummer-Bestimmung. Beim Actros ist je nach Baujahr und Hilite-Generation entweder F 026 405 001 oder F 026 405 002 die richtige Wahl. Bei DAF und Scania zeigt die aktuelle Generation dagegen auf F 026 405 002. Sauberste Methode bleibt daher der VIN-Abgleich über den Bosch-Katalog, gerade bei gemischten Flotten, die ohnehin über mehrere Marken hinweg disponiert werden.
Für die Werkstatt heißt das in der Praxis: Bei einem AdBlue-bezogenen Servicefall entscheidet die Fahrzeug-Identifikation über VIN und Systemstand, welcher Filter und damit welche Sachnummer benötigt wird. Das gilt sowohl für eine geplante Filterwechselroutine als auch für einen Folgefehler aus verstopften Düsen. Eine Verwechslung der beiden Generationen lässt sich zudem vermeiden, wenn diese Stelle im Annahmeprozess sauber gesetzt ist.

Was sich für das Bosch-Filterprogramm ändert
Bisher war das Denoxtronic-Filterprogramm konsequent auf das eigene Bosch-Einspritzsystem ausgelegt. Mit der jetzigen Erweiterung um Lösungen für Fremdanbieter-Systeme öffnet Bosch das Programm nun an einer Stelle, an der freie Werkstätten und Großhandel bisher Sortimentslücken hatten. Diese deckten sie zuvor über Drittanbieter ab, deren Qualitäts- und Lieferniveau allerdings nicht in jedem Fall mit Bosch-Standard vergleichbar war.
Eine Sachnummer pro Generation
Die beiden neuen Bosch-Sachnummern:
| Kriterium | F 026 405 001 | F 026 405 002 |
|---|---|---|
| System-Generation | ältere Cummins Hilite-Generation | aktuellere Cummins Hilite-Generation |
| Filtermedium | cellulosebasiert | synthetisch |
| Fahrzeug-Anwendung | Mercedes-Benz Actros (ältere Hilite-Generation) | Mercedes-Benz Actros, DAF, Scania (aktuellere Hilite-Generation) |
| Service-Set verfügbar | — | ja, inkl. Wartungsfett für den Einbau |
| Anzugsdrehmoment Filterelement | nach Herstellervorgabe | 80 Nm (laut Bosch Service-Set) |
| Identifikation | über VIN, Systemstand, Bosch-Katalog | über VIN, Systemstand, Bosch-Katalog |
| Verfügbarkeit | ab sofort | ab sofort |
Die Botschaft an die Teile-Disposition: Bislang hat ein Lkw-Mix mit Actros, DAF und Scania das Sortiment auf mehrere Lieferanten zerlegt. Stattdessen lässt sich der AdBlue-Filter-Bedarf jetzt im Bosch-Standardweg bündeln. Das hat zudem weniger mit Marketing zu tun als mit Lager- und Beschaffungs-Realität: weniger Lieferanten, weniger Bestellzyklen, weniger Schnittstellen für Reklamationen.
Material- und Filterperformance: warum der Filter zählt
AdBlue ist eine wässrige Harnstoff-Lösung. Chemisch ist sie aggressiv gegenüber vielen Standardmaterialien und empfindlich gegenüber Verunreinigungen. Wenn Partikel ins Dosiermodul wandern, entsteht daher eine Kette aus Folgeproblemen, die sich im Werkstattalltag gut wiedererkennen lässt:
- Blockaden in Düsen und Dosierventil — die Dosiergenauigkeit leidet, im Extremfall fällt die Einspritzung aus
- Suboptimale AdBlue-Dosierung — entweder zu wenig (NOx-Konvertierung sinkt) oder zu viel (Verbrauch steigt)
- Erhöhter AdBlue-Verbrauch — eine wirtschaftliche Position, die die Flotte direkt in der TCO sieht
- Folgeschäden im SCR-System — bis hin zu kostspieligen Tauscharbeiten an Bauteilen, die deutlich teurer sind als ein Filter
Die Filtermaterialien der neuen Bosch-Sachnummern sind speziell auf die Beständigkeit gegenüber AdBlue ausgelegt und sollen eine konstant hohe Filterleistung über die gesamte Lebensdauer halten. Der Wechsel auf ein synthetisches Filtermedium bei der aktuelleren Generation folgt zudem der gleichen Logik, die auch in anderen Filterklassen sichtbar ist: höhere Beständigkeit, gleichmäßigere Porenstruktur, längere Standzeit.
„Ohne effektive Filtration können Partikel Blockaden verursachen, eine suboptimale AdBlue-Dosierung, einen erhöhten AdBlue-Verbrauch oder sogar kostspielige Leistungseinbußen zur Folge haben.“— Bosch Mobility Aftermarket, Pressemitteilung Februar 2026
Tausch des Urea-Filters in der Werkstatt: Service-Set für F 026 405 002
Für die Sachnummer mit synthetischem Filtermedium (F 026 405 002) bietet Bosch ein Service-Set an. Dieses bündelt die für den Tausch benötigten Teile inklusive Wartungsfett. Dadurch reduziert sich die Vorbereitung am Annahmeplatz auf einen Bestellvorgang. Der eigentliche Tausch folgt anschließend drei knappen Schritten:
Wartungsfett aus dem Service-Set entnehmen
Das Service-Set enthält das für den Einbau benötigte Wartungsfett. Dadurch entfällt die Beschaffung über separate Schmierstoffe, ein Detail, das im Annahmeprozess Standzeit spart.
Filterelement ausrichten und Dichtungen einfetten
Richten Sie das Filterelement zum Gehäuse hin aus. Fetten Sie anschließend äußere und innere Dichtung mit dem Wartungsfett ein. Eine sauber gefettete Dichtung verhindert dabei Reib- und Folgeschäden beim Anziehen.
Filterelement mit 80 Nm anziehen
Schrauben Sie das Filterelement mit dem von Bosch angegebenen Drehmoment von 80 Nm in das Gehäuse. Damit ist der mechanische Teil des Tauschs abgeschlossen. Danach folgt wie üblich die Dichtheits- und Funktionsprüfung des Dosiermoduls.
Bosch verweist auf einen regelmäßigen Wechsel des Urea-Filters nach Herstellervorgabe. Eine fixe Kilometer- oder Zeitvorgabe gilt damit pro Fahrzeug. Daher gehört sie in das Werkstatt-Management-System je Hersteller hinterlegt, nicht als allgemeines Intervall geführt.
Praxis in der Werkstatt: Annahme, Identifikation, Wechsel
Für den Werkstattalltag ist die Programmerweiterung kein Anlass für einen neuen Prozess, eher für eine Schärfung des bestehenden. Wer Actros-, DAF- oder Scania-Lkw mit AdBlue-Auffälligkeit annimmt, hat bei Cummins Hilite-Systemen jetzt eine Bosch-Antwort im Regal. Damit es im Auftrag sauber zusammenpasst, hilft zudem eine kurze Standard-Sequenz.
Fahrzeug-Identifikation über VIN
Lesen Sie zunächst die VIN aus und gleichen Sie sie gegen Hersteller-Modell und Systemgeneration ab. Bei Actros entscheidet die Cummins-Hilite-Generation, ob der cellulosebasierte F 026 405 001 oder der synthetische F 026 405 002 passt. Bei DAF und Scania zeigt die aktuelle Generation dagegen auf F 026 405 002. Bestätigen Sie das trotzdem über Bosch-Katalog plus VIN, statt nach Marke pauschal zu disponieren.
Diagnose-Befund klären
Klären Sie zunächst, ob es ein geplanter Service oder ein Folgefehler ist. Über die ESI[tronic] 2.0 beziehungsweise die Mehrmarkendiagnose KTS Truck lassen sich Fehlerbilder rund um Dosierung, Drücke und Tankfühler präzise eingrenzen, bevor Sie mechanisch eingreifen.
Sachnummer ableiten und disponieren
Wählen Sie über die identifizierte Generation anschließend die richtige der beiden neuen Bosch-Sachnummern: F 026 405 001 (cellulosebasiert) oder F 026 405 002 (synthetisch, inkl. Service-Set-Option). Bei gemischter Flotte lohnt sich zudem eine kleine Bevorratung beider Sachnummern, um Standzeit zu vermeiden.
Filterwechsel und Funktionsprüfung
Wechseln Sie nach Herstellervorgabe, bei F 026 405 002 über das Bosch Service-Set inklusive Wartungsfett. Richten Sie das Filterelement zum Gehäuse hin aus, fetten Sie äußere und innere Dichtung ein und ziehen Sie es mit 80 Nm an. Anschließend folgt die Dichtheits- und Funktionsprüfung des Dosiermoduls. Lassen Sie zudem die AdBlue-Verbrauchswerte nach dem Service stichprobenartig im Telematik- oder Diagnoseprotokoll mitlaufen, denn das ist die einfachste Wirksamkeitskontrolle.
Kunden-Kommunikation
Insbesondere bei Flottenkunden mit gemischtem Markenbestand ist die Information „SCR-Wartung jetzt auch in Bosch-Qualität für Cummins Hilite“ ein konkreter Service-Mehrwert. Dadurch macht sie den Unterschied zwischen einer Routine-Position und einer aktiv kommunizierten Leistung.
Hinterlegen Sie die Zuordnung Actros-Generation zu Filtermedium in Ihrem Werkstatt-Management-System als Pflichtfeld bei Auftragsanlage. Dadurch verhindern Sie, dass beim AdBlue-Service der falsche der beiden Filter eingebaut wird. Das ist nämlich die häufigste vermeidbare Fehlerquelle bei Generationenwechseln im Sortiment.
Was die Programmerweiterung für Alltrucks-Partnerwerkstätten bedeutet
Im Alltrucks-Portfolio sind 14 Nutzfahrzeug-Hersteller im Diagnose- und Service-Umfang vertreten. Mercedes-Benz, DAF und Scania zählen dabei zu den Marken mit hoher Werkstatt-Frequenz. Genau dort setzt die Bosch-Erweiterung an. Dadurch verschiebt sich für die Mehrmarken-Werkstatt im Netzwerk ein Stück Außen-Sortiment in die zentrale Bosch-Beschaffungsspur.
- Aktuellen Lagerbestand für AdBlue-Filter Cummins Hilite gegen Bestand und Lieferanten-Mix abgleichen.
- Beide neuen Bosch-Sachnummern in das Werkstatt-Management-System einpflegen — mit klarer Generations-Zuordnung.
- Annahmecheckliste für Actros, DAF und Scania um den Punkt „Hilite-Systemstand prüfen“ ergänzen.
- Service-Mehrwert aktiv an Flottenkunden kommunizieren — gerade bei gemischter Flotte ist das ein konkretes Argument.
- Bei technischen Rückfragen die Bosch-Quellen sowie die ESI[tronic] 2.0-Hinterlegung als Ausgangspunkt nutzen.
Die Erweiterung ist eine systematische Sortimentsergänzung, die das Bosch Aftermarket-Programm enger an die reale Marken-Mischung in Mehrmarken-Werkstätten heranführt. Für Werkstätten, die ohnehin auf Bosch-Standards in Diagnose und Ersatzteilen aufgesetzt sind, schließt sich damit eine bislang offene Stelle im SCR-Sortiment.
